Rita findet einen Frosch – zum Zweiten

Mein liebes Fröschlein sitzt in meinem Garten, ganz niedlich und quakt vor sich hin: »Komm küss mich, komm küss mich …« Unverschämtes Bürschchen, ich hab´s doch versucht, doch sobald ich mich dem Tierchen nähere, schwupp, hüpft es mir aus dem Blick oder wird von Weiß-Gott-wem gemopst. Von Anfassen oder gar Küssen kann nicht die Rede sein. Warum ist das so?

Das kann doch nicht so schwer sein. Tausende Frosch ähnliche Typen tauchen hier und da auf, und auch die beschwören Schätze und Fülle zu bringen. Und die halten auch still, wegen dem Kuss und so (ob die alle erfüllen, was sie ankündigen, ich zweifle …). Also mein Frosch jedenfalls sieht so aus, als wäre er etwas ganz Besonderes, aber besonders scheu und abgeneigt. Zu mir zumindest. Woran kann es liegen?

Eigentlich bin ich ein sehr optimistische und lebensfroher Mensch. Die Sache mit dem positiven Denken muss man mir nicht erklären, das ist mir sozusagen angeboren. Allerdings lief es in meinem Leben trotzdem zeitweise sehr dramatisch ab, ich hatte immer wieder das Gefühl: oh man Rita, du baust nur Mist. Und was passierte … Mist eben. Dabei entwickelte ich ein gutes Katastrophen-Management. Aber ein Dauerhoch oder Aufwärtstrend über ein bestimmtes Limit hinaus wollte sich nie einstellen. Dann wird man bescheiden, gibt sich mit weniger zufrieden – und erhält weniger.

Rita hat tapfer positiv gedacht, aber diese bösen dunklen Mächte waren immer viel stärker. Moment mal, welche bösen dunklen Mächte? Ich habe MKS fasziniert gelesen, so wie ähnliche Lebensanschauungen oder Denkansätze in anderen Lektüren. Aber da gibt es doch einen Punkt, der lässt mich aufhorchen. Ich zitiere mal ganz frei aus dem Gedächtnis:

Mister Haanel schreibt von den dunklen Seiten des Lebens, wie von der physischen Dunkelheit. Die ist nämlich nicht materiell, sondern nur die Abwesenheit von Licht! Das könnte heißen, die dunklen Mächte meines Lebens gibt es gar nicht, sondern die erscheinen nur, weil etwas fehlt, also, weil ich keine Lebendigkeit einbringe, um es zu erhellen, sprich zum positiven verändere?! Wow, das ist der Hammer!

Also schau ich mal rückblendend: Ich habe viel in meinem Leben verpatzt, weil ich mich in brenzlichen Situationen »tot stellte«. Habe das »Schicksal« als von Gott gegeben hingenommen, ertragen, erduldet und akzeptiert. Zwar mit Leiden, aber die bösen Mächte eben … Doch wenn nun diese böse Macht nur einen Raum darstellt, der lediglich von mir nicht erfüllt wurde und sich deshalb leer und kalt und bedrohlich anfühlte …? Das hieße, ich habe mein Leben nicht erfüllt, also blieb es ärmlich …

Erreiche ich deshalb meinen Frosch nicht, weil er davon hüpft oder von einer dubiosen Oberhand stibitzt, wird? Oder doch eher, weil ich selbst noch nicht das »ich küsse den Frosch« getan oder besser gelebt habe? Glaube ich überhaupt, dass ich die Amphibie jemals zur Verwandlung bringe, zur Verwandlung für mich? Ich möchte es glauben, aber ich muss gestehen, ich BIN es nicht – noch nicht. Ich fange mal damit an.

Sollte mir der Frosch das nächste Mal wieder entfliehen, werde den Gedanken »oh Himmel, jetzt hüpft er schon wieder davon, den krieg ich eh nicht« ersetzen. Wie wäre es mit dem Satz »liebes Fröschlein, ich seh dich und freu mich auf dich, knuddel dich, hab dich lieb – und dann küss ich dich.«