Karsten Endrussat: Quantenphysik und Hermetik

Ich habe mich in den letzten sechs Logbucheinträgen auf nahezu neun Seiten mit der Quantenphysik beschäftigt. Als Quelle diente mir Hans Peter Dürrs Buch „Das Lebende lebendiger werden lassen“. Dürr geht dabei immer wieder auf die Unterschiede zwischen der alten, klassischen (mechanistischen) Physik und der neuen, modernen Quantenphysik ein. Ich habe dabei sicherlich nur an der Oberfläche rumgekratzt, aber allein das bereitete mir schon einige Verständnisprobleme. Das wunderte mich nicht, denn meine Kenntnisse der klassischen Physik reduzieren sich auf „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ und den Begriff „Dichte“. Vielmehr ist aus meiner Schulzeit nicht hängengeblieben.

In „The Secret“ erfuhr ich vor etwa vier Jahren einiges über das Gesetz der Anziehung: Alles, was existiert, ist Energie; Gedanken sind geistige Energie; im geistigen Bereich zieht Gleiches stets Gleiches an. Dann kam im Laufe der Zeit dank Haanels Master Key System und dem Kybalion einiges an Wissen über die Naturgesetze (= Sieben Hermetische Prinzipien) hinzu. Eines habe ich noch gut in Erinnerung: Rhonda Byrne schrieb, dass ihr die Quantenphysik dabei geholfen hat, die Naturgesetze besser zu verstehen.

Die Ergebnisse der Quantenphysik sind schwer vorstellbar, da meine Wahrnehmung durch und durch vom „alten“ Wissen der klassischen Physik geprägt ist: Die Wirklichkeit ist real, Dinge sind real, greifbar, anfassbar. Dann kommt die Quantenphysik daher und sagt mir, dass im Grunde genommen (be-)greifbare Dinge nicht existieren. Und hierin lag meine Verständnisschwierigkeit: In der klassischen Physik sind die Inhalte begreifbar, sprich verständlich, und werden in meinem logisch, rationalen Denken durch Begriffe symbolisch (scheinbar) fassbar und deutbar. Die Inhalte der Quantenphysik, das sagt selbst Dürr, sind nicht begreifbar, nicht zu verstehen. Sie sind nur schwer in Worte zu fassen.

In der Quantenwelt ist die Wirklichkeit im Grunde keine Realität im Sinne einer dinghaften Wirklichkeit. Wirklichkeit ist reine Verbundenheit oder Potenzialität. Wirklichkeit ist die Möglichkeit, sich unter gewissen Umständen als Materie und Energie zu manifestieren. Diese für mich völlig neuen Erkenntnisse stellten mein „altes“ Weltbild auf den Kopf. Da hieß es zunächst – wieder einmal – einfach daran zu glauben. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass dieses „neue“ Weltbild mit der Hermetik voll und ganz übereinstimmt. Ich habe, so glaube ich, durchaus die Fähigkeit etwas zu verstehen, ohne es dabei nur in Schablonen zu pressen oder es durch klar definierte Begriffe auszudrücken. Aber die Quantenphysik hat mich zwischendurch an meine derzeitigen Grenzen geführt. Erst als ich ein Resultat der Quantenphysik als meine persönliche Quintessenz erkannte, löste sich der Knoten in meinem Kopf allmählich: Im Grunde gibt es nur Geist, der Potenzialität besitzt! Warum ist dem so? Weil die Quantenphysiker die klassische These der unzerlegbaren Atomkerne widerlegten und die Materie solange zerlegten, bis letztlich nichts mehr übrig blieb, was an Materie erinnert. Die Quantenphysiker bezeichnen diesen „Stoff“ primär als Form und Beziehung. Am Ende allen Zerteilens bleibt ein Stoff, der eher dem Geistigen ähnelt. Was bleibt, was im Grunde dann nur noch existiert, ist Geist. Und dieser Geist besitzt Potenzialität.

Zwischendurch rauchte mir mehrmals ordentlich der Schädel: Atome, Elementarteilchen, Wirks, Passierchen, Beziehungsstruktur, Geist mit Potenzialität. Also reduzierte ich letztlich meine Quintessenz nochmals einfach auf den Begriff „Geist“. Und so kam ich zu folgendem Ergebnis: Der Geist mit Potenzialität der Quantenphysik entspricht dem 1. Hermetischen Prinzip der Geistigkeit (= Das All ist Mind, das Universum ist mental). Wenn dem so ist, dann kann ich mein hermetisches Wissen mit der Quantenphysik verbinden. Die zweite wichtige Erkenntnis der Quantenphysik, die mir weiterhalf, lautet: Primär ist die Form/Gestalt. Der primäre Stoff ist Geist mit Potenzialität, der die Kann-Möglichkeit zur Realisierung besitzt. Materie und Energie treten erst sekundär in Erscheinung,quasi als geronnener Geist. Wenn dieser Geist, diese Nicht-Materie, „verkalkt“ (=oder gerinnt, erstarrt, verschlackt, vergröbert) entsteht daraus etwas Materielles. Aber wie kommt es zu dieser „Verkalkung“? Weil Geist schöpferisch ist! Ich verstehe das so: Mein bewusster Verstand, mein konzentrierter Geist wirkt durch seine Schwingungen auf diesen „Geist“ und bringt ihn dadurch in Bewegung. Da Gleiches stets Gleiches anzieht, werden dadurch Strukturen erschaffen, er verschlackt, verfestigt sich, wird zu Materie, nimmt Form an und wird letztlich zu Dingen. So funktioniert für mich vereinfacht das Gesetz des Wachstums.

Charles Haanel lehrte mich, das letztlich jeglicher Besitz aus Bewusstsein entstammt: Gedanken werden zu realen Dingen und Begebenheiten. Sie treten in mein Leben, weil auf der geistigen Ebene Gleiches zu Gleichem kommt (= Gesetz der Anziehung basierend auf dem 6. Hermetischen Prinzip von Ursache und Wirkung). Dies geschieht, wenn ich mir ein Ideal, einen Herzenswunsch immer wieder durch geistige Bilder mit darin enthaltenen Emotionen visualisiere. Das nenne ich Schöpfung im Einzelfall. Höchste Power entwickeln dabei Gedanken, die mit Gefühlen der Liebe verbunden sind. Ferner habe ich schon vor einiger Zeit meine geistigen „Grundschwingungen“ festgelegt, die ich Tag für Tag denke und fühle. In Kurzform: 3×3 = „reiner“ Geist. Die Formel beinhaltet in sogenannten Dreiklängen meine Grundschwingungen: „Liebe-Harmonie-Mitgefühl“, „Glück-Freude-Dankbarkeit“ und „Gottvertrauen-Naturverbundenheit-Menschlichkeit“. Diese Gedanken und Gefühle, und noch einige mehr, sind mittlerweile sehr fest in meinem Unterbewusstsein verankert. Dadurch habe ich mir mittlerweile ein sehr ausgeprägtes intuitives Wahrnehmen und Handeln angeeignet. So erschaffe ich mir meine äußere Welt, wie ich sie mir wünsche. Das nenne ich kontinuierliche Schöpfung.

Helmar Rudolph lehrte mich, dass das Schöpfungspotenzial bereits vollkommen vorhanden ist. Nur die materielle Schöpfung bedarf noch der Manifestation. Nach der Quantenphysik besitzt der Geist also Potenzialität. Potenz bedeutet in diesem Sinne die noch nicht realisierte Möglichkeit, zu der aber ein Vermögen bzw. eine Fähigkeit besteht. Demnach besitzt der Geist die Möglichkeit, sich unter gewissen Umständen als Materie und Energie zu manifestieren. Schöpfung ist für mich in diesem Sinne die Realisierung oder Verwirklichung dieser Möglichkeit. Sie kann, muss aber nicht gelingen, sie funktioniert aber immer dann, wenn sich das menschliche Bewusstsein auf etwas Bestimmtes richtet. Dann kann alles entstehen. Das nenne ich ab jetzt „Bewusstes Miterschaffen“ (= dem neunten universellen Zyklus des Tzolkin-Kalenders, der im März 2011 begonnen hat). Diese bewusste Schöpfung ist ohne das 7. Hermetische Prinzip von Geschlecht nicht möglich (= Alles hat sein männliches Geschlecht und sein weibliches Geschlecht). Das Männliche ist das Bewusstsein, das Weibliche ist das Unterbewusstsein. Und wenn diese beiden sich miteinander vereinigen, beginnt die Schöpfung (= Dualität der Schöpfung).

In der Quantenwelt gibt es keine Gegenstände, keine Materie, keine Substantive, also keine Dinge, die wir anfassen und begreifen können. Es gibt nur Potenzialität, Bewegungen, Prozesse, Verbindungen und Informationen. Auch diese genannten Substantive müsste man in eine Verbsprache übersetzen, denn nur so kann man die Quantenphysik überhaupt in Worte fassen: Es bewegt sich, es läuft ab (= 3. Hermetisches Prinzip der Schwingung: alles schwingt, nichts ruht, alles bewegt sich ständig), es hängt miteinander zusammen, es weiß von einander (= Auslegung des 1. hermetisches Prinzip der Geistigkeit: Alles ist im All. Im All ist alles. Alles, was existiert, ist im All. Alles ist eins. Alles ist miteinander verbunden). Es gibt nur wenige Substantive in unserer Sprache, die Verbundenheit lt. Dürr elementar ausdrücken: Geist, Liebe, Leben. Letztlich sind dafür eher Verben geeignet: leben, lieben, fühlen, wirken, sein. So bekommt man von dem Ursprung der Lebendigkeit, die die Quantenphysik zu beschreiben versucht, eine Ahnung.

Während Hans Peter Dürr in seinen Ausführungen auf Diskussionen zwischen Vertretern der Quantenphysik und klassischen Physik eingeht, wessen Auffassung wissenschaftlich die richtige ist, sieht Helmar Rudolph das ganz pragmatisch: Andere Zeit, andere Erkenntnis. Die Quantenphysik ist einfach die logische Weiterentwicklung der klassischen Physik. Ich hatte Helmar meine Ausführungen über die Quantenphysik zuvor übergeben, da ich mir an der einen oder anderen Stelle nicht ganz sicher war. In seiner Anmerkung gibt er mir einen Hinweis, der sein tiefes Verständnisses zeigt: „Du schreibst, dass in der Quantenwelt die Wirklichkeit im Grunde keine Realität im Sinne einer dinghaften Wirklichkeit ist. Aber Wirklichkeit IST Realität, Realität/Wirklichkeit ist noch lange nicht Wahrheit, da diese absolut ist, während das, was sich auswirkt, relativ ist.“

Als ich Helmars Worte in meinen Text einarbeitete, kam mir das Gesetz des Paradoxon ins Bewusstsein zurück, über das ich bereits vor etwa zwei Jahren gebrütet hatte, ohne zu einer zufriedenstellenden Erkenntnis zu kommen. Im Kybalion steht: „Erinnert euch an das göttliche Paradoxon des Absoluten und des Relativen. Erinnert euch, dass das Universum gleichzeitig nicht ist und doch ist. Erinnert euch der beiden Pole der Wahrheit – des Absoluten und des Relativen. Das Gesetz des Paradoxons ist ein Aspekt des Prinzips der Polarität, das sich im Schöpfungsprozess des Alls manifestiert. Absolute Wahrheit wird definiert als „Dinge, wie sie der Geist Gottes erkennt“. Relative Wahrheit sind „Dinge, wie sie die höchste Vernunft des Menschen erkennt“. Nach diesem Eintrag werde ich diesen Faden wieder aufnehmen und mich erneut damit beschäftigen, aber jetzt zurück zu meinem eigentlichen Thema.

Die Quantenphysik hat den Bogen zur Spiritualität gespannt. Statt realer Dinge existiert ein einziger großer, geistiger Zusammenhang: Geist als Basis allen Daseins! Alles, was existiert, ist Geist. Wir leben in einem riesigen Informationsfeld des Ganz-Einen. Wir alle sind eins im All. Wir sind ein Teil des großen Ganzen. Und natürlich, ist das Ganze immer auch ein Teil von uns. Dadurch wird für mich das Lebende und Lebendigkeit ausgedrückt. Die Quantenphysik spricht nicht nur von einer „immateriellen“ Welt und „nicht greifbaren Informationen“ – im Gegensatz zur klassischen Physik, in der alles „unser greifenden Hand“ entspricht. Ihr Feld stößt zudem in ganz andere, größere Räume hinein, die nicht mehr mit unserem gewohnten dreidimensionalen Raum zu tun haben. Es ist ein reines Informationsfeld, das nichts mit Materie und Energie zu tun hat. Es ist nicht nur in jedem Menschen, sondern erstreckt sich über das ganze Universum. Der Kosmos ist ein Ganzes, weil dieser Quantencode keine Begrenzung hat. Es gibt nur das Eine. Das klingt doch sehr hermetisch, oder?

Dieses Informationsfeld muss dann zwangsläufig aus Geist bestehen. Mein Wissen „Energie = Geist = GOTT“ hat sich dadurch zu „Geist = Informationsfeld = GOTT“ weiterentwickelt. Es existiert nur Geist, der Potenzialität besitzt, aus dem sich Dinge manifestieren können. Selbstverständlich kann ich es auch immer noch so ausdrücken: Gedanken sind Energie, bewusste Gedanken sind bewusste Energie, konzentrierte Gedanken sind konzentrierte Energie. Gedanken, die nachhaltig auf einen Wunsch gerichtet werden (= aufrichtiges Wünschen), werden zu realen Dingen oder in Kurzform: Wünsche werden zu Dingen.

Interessant sind auch die unterschiedlichen Auffassungen der alten und neuen Physik bezüglich der Zeit. In der klassischen Physik zeigt sich die Zeit anders als die drei Raumdimensionen – nur der Augenblick ist zugänglich, bestimmte „Ursachen jetzt“ führen zu bestimmten „Wirkungen später“. In der Potenzialität gibt es keine eindeutigen Ursache/Wirkung-Beziehungen. Selbstverständlich gilt auch grundsätzlich das 6. Hermetische Prinzip, aber bezogen auf die Zeit nicht in der Eindeutigkeit wie in der alten Physik. Die Zukunft ist im Wesentlichen offen. Es gibt ein ständiges Entstehen und Vergehen, etwa vergleichbar mit Ein- und Ausatmen oder dem Ein- und Ausfluten kosmischer Energie (= 5. Hermetische Prinzip des Rhythmus: Alles fließt, aus und ein. Alles hat seine Gezeiten. Alles hebt sich und fällt). Die Welt wird, vor dem Hintergrund wie sie vorher war, in jedem Augenblick neu erschaffen. Die Zukunft wird durch das gestaltet, was in diesem Augenblick passiert. Demnach wird die Welt in einem permanenten Schöpfungsprozess immer wieder, von Moment zu Moment, neu erschaffen. Es gibt nur permanenten Wandel: Veränderung, Veränderung auf Veränderung auf Veränderung usw.

Kann ich hierbei überhaupt noch von Zeit in Sekunden oder Minuten sprechen? Wohl nicht. Die Zeit haben erst wir Menschen mit unseren Kalendern und Uhren geschaffen. Zeit ist also nur ein von uns geschaffenes „Werkzeug“, um den natürlichen Rhythmus logisch abzubilden. Das entstammt wiederum aus dem Verständnis der alten Physik, nach der das Naturgeschehen ein mechanisches Uhrwerk ist. Nein, der liebe Gott hat die Zeit nicht geschaffen. Er hat uns nur natürliche Rhythmen wie Tag und Nacht, wie Ebbe und Flut wie die vier Jahreszeiten etc. gegeben. Darin spiegelt sich das 5. Hermetische Prinzip des Rhythmus (= Rhythmus gleicht aus). Wir alle unterliegen diesem Gesetz, das durch die Fähigkeit der Polarisation neutralisiert werden kann (= 4. Hermetische Prinzip der Polarität). Dass das Naturgeschehen in der alten Physik einem Mechanismus gleicht, widerspricht dem Prinzip des Rhythmus. Der mechanische „Ansatz“ steht somit der Natur entgegen und beinhaltet zudem die Trennung von Mensch und Natur. Die Welt wird wie die Materie immer weiter zerteilt, um sie noch besser zu verstehen, was letztlich zum großen Trugschluss führt, dass die Welt trennbar und nichts Ganzheitliches ist.

Die Quantenphysik entspricht dagegen der Logik der Natur. Dort ist das Naturgeschehen eine Form fortwährender kreativer Entfaltung. Statt Mechanismus hat es vielmehr das Wesen einer permanenten, kreativ schöpferischen Entfaltung. In der Quantenwelt gibt es echt kreative Prozesse, aus denen ein völlig neues Weltbild entsteht, denn die Schöpfung entwickelt sich nicht in der Zeit, sondern von Moment zu Moment, aber mit der „Erinnerung“, wie sie im Augenblick vorher war. Leben basiert nicht auf „fester“ Materie, denn die Materie befindet sich in dem Zustand eines nicht endenden Energieflusses. Leben, alles Lebende entsteht aus einem kreativen Schöpfungsprozess. Das Lebendige hat also einen kreativen Ursprung, was auch der hermetischen Dualität der Schöpfung entspricht: denn ohne kreative Gedanken kann eigentlich gar nichts entstehen.

Die Quantenwelt besteht aus Geist, aus Verbundenheit, aus Beziehungen und geht von der Einheit von Mensch und Natur aus. Und was der Natur entspricht, entspricht immer auch der Hermetik. Ich kann in der Quantenphysik alle Hermetischen Prinzipien wiedererkennen. Letztlich weißt sie nach, dass Geist und Materie im Sinne des Prinzips der Polarität nur scheinbar keine Gegenstücke sind. Damit bestätigte die Wissenschaft um 1925 alle Erkenntnisse der Hermetiker, die diese uns schon seit Jahrtausenden lehren: Die Grundlage aller Energie ist reiner Geist (Stichwort „Geist über Materie“). Das glaube ich schon seit langem, daraus ist schon seit einiger Zeit Wissen geworden. Jetzt hat sich mithilfe der Quantenphysik dieses Wissen vertieft.

Quellen: (1) Dürr, S. 19-39; (2) Helmar Rudolph, Vortrag „Die Macht des Unbewussten“

© KE Juli 2014

Title image: (c) Parable Visions